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Projekthistorie


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Ausgangssituation - die Hintergründe für „Nahtstellenmanagement in Oberösterreich“

Die Gesundheitsplanung für OÖ hat im Jahr 2007 einen neuen Impuls bekommen, da erstmals versucht wurde, alle relevanten Teilbereiche des Gesundheitswesens inkl. Pflegebereich in die Planungsdiskussion einzubeziehen. Dabei wurde dem Thema „Nahtstellenmanagement“ eine besondere Bedeutung beigemessen. Durch die Einbeziehung von verschiedenen Bereichen und Einrichtungen der Gesundheitsversorgung konnte eine intensive Auseinandersetzung mit der Leistungserbringung an den Nahtstellen erfolgen.

Grundsätzlich geht es im Nahtstellenmanagement um die Gewährleistung einer raschen, möglichst lückenlosen sowie medizinisch und ökonomisch sinnvollen Behandlungskette für alle Patientinnen und Patienten im medizinischen Bereich als auch alle Klientinnen und Klienten im sozialen Bereich mit dem Ziel, die bestehenden Stärken zu erhalten und die Schwächen zu beseitigen.

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Phase I: Bestandsaufnahme (2007)

In einer ersten Projektphase wurde 2007 in Zusammenarbeit mit dem GÖG eine umfassende Bestandsaufnahme durchgeführt, um die auf Regionsebene existierenden Stärken und Schwächen zu ermitteln (GÖG/ÖBIG/OÖ Gesundheitsfonds 2007). In jeder Versorgungsregion wurden die Erfahrungen einer sektorenübergreifenden Gruppe von Expertinnen und Experten mit nachfolgender Zusammensetzung einbezogen:

  • Ärztliche Vertretungen der Krankenhäuser (Mittelbau, mit Aufnahme beschäftige Ärzteschaft)
  • Pflegerische Vertretungen der Krankenhäuser (Überleitungspflege)
  • Vertretungen der Sozialversicherung (Netzwerk Hilfe = Case Management der OÖGKK)
  • Vertretungen der Bezirksärzteschaft (Allgemeinmedizin)
  • Vertretungen der Sozialhilfeverbände/Sozialberatungsstellen
  • Vertretungen der Altenpflegeheime
  • Vertretungen der mobilen Dienste
  • Vertretungen der mobilen medizinischen Hauskrankenpflege
  • Vertretungen der psychiatrischen Vor- und Nachsorge
  • Vertretungen des Rettungswesens

Ergebnisse der Bestandsaufnahme

Als Stärken wurden zum Beispiel die bereits in den Regionen aufgebauten Strukturen wie Überleitungspflege in den Spitälern, Sozialberatungsstellen und Netzwerk Hilfe® (Case Management der OÖGKK) genannt. Diese waren und sind mit der Betreuung und Begleitung von Patientinnen/Klienten/Versicherten/Kundinnen mit komplexen Problemlagen betraut. Darüber hinaus wurden bereits in einigen Bezirken Initiativen zur Verbesserung der Kommunikation und sektorenübergreifenden Versorgung gesetzt, wie die Einrichtung von Arbeitsgruppen zur Besprechung von aktuellen Themen. Die im Bereich des Aufnahmemanagements identifizierte Schwachstelle, die dann auch im Rahmen von NSM bearbeitet wurde, bezieht sich auf die Verbesserung des Zuweisungsprozesses. Im Bereich des Entlassungsmanagements wurden nachfolgende Verbesserungspotenziale landesweit lokalisiert:

  • Standardisierung der Organisation von Medikamenten und Heilbehelfen und Hilfsmittel
  • Standardisierung der Entlassungsinformationen (zB Kurzarztbrief, Pflegebegleitschreiben, etc)
  • Standardisierung des Entlassungsprozesses (Wer erhält welche Informationen und in welcher Form?)

Auf Basis dieser Ergebnisse (GÖG/ÖBIG/OÖ Gesundheitsfonds 2007) wurde in der Landesgesundheitsplattform im März 2008 die Fortführung des Projekts beschlossen.

Quelle: GÖG/ÖBIG/OÖ Gesundheitsfonds (2007): Nahtstellenmanagement in den Versorgungsregionen OÖ, Abschlussbericht Konzeptionsphase I, Bestandsaufnahme und Themenpriorisierung. 

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Phase II: Konzeption und Pilotierung (2008-2010)

Die Phase II (März 2008 bis Februar 2010) wurde vom iff (Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung) Abteilung Organisationsentwicklung und Gruppendynamik unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Ralph Grossmann wissenschaftlich begleitet. Relevantes Fachwissen, Organisationsentwicklungskompetenzen sowie Moderationsleistungen wurden dabei in umfassender Form zur Verfügung gestellt. Auch die weitere Konzeptions- und Pilotphase zum Aufbau der Koordinationsstrukturen und Entwicklung der NSM Leitlinien fand unter Einbindung vieler Expertinnen und Experten aus dem intra- und extramuralen Bereich statt. In zwei ausgewählten Modellregionen, der Versorgungsregion 42 (Zentralraum Wels) und der Versorgungsregion 43 (Mühlviertel) wurden diese  hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit und Praxistauglichkeit erprobt. Diese Arbeit begleitete nachfolgende Grundsätze, auf die im Anbot des iff hingewiesen wird (Grossmann et al. 2008):

  • Nahtstellenmanagement ist als Kooperation zu organisieren
  • Nahtstellenmanagement braucht stabile Kooperationssysteme
  • Gemeinsames Handeln entsteht aus gemeinsamer Entwicklung, Erprobung und Entscheidung
  • Gut gestaltete Leistungsprozesse sind die Basis der sozialen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungen und der Kooperation
  • Sektorenübergreifende Arbeit organisieren
  • Bezirke und/oder Gesundheitsregionen als Handlungsrahmen des NSM
  • Allparteiliche Unterstützung von Kooperationssystemen

Die Phase II wurde mit einem Erfahrungsbericht über die pilotierten Leitlinien und Koordinationsstrukturen im Februar 2010 abgeschlossen. Damit endete auch die Zusammenarbeit mit dem iff. Mit der Abnahme des Berichts zur Phase II (436.9 KB)I beauftragte der NSM Lenkungsausschuss das Landesprojektteam mit der Erarbeitung eines Fortführungskonzeptes des NSM-Projekts.

 

Quelle und weiterführende Literatur:

Grossmann, Ralph/Prammer, Karl/Lobnig, Hubert/Neugebauer, Christian (2008): Optimierung des Nahtstellenmanagements in Oberösterreich; iff, Wien.  

Grossmann, Ralph/Prammer, Karl/Lobnig, Hubert/Neugebauer, Christian (2010): Optimierung des Nahtstellenmanagements in Oberösterreich, Abschlussbericht Phase II; iff, Wien.  

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Phase III: Implementierung (2010-2011)

Im Juni 2010 nahm der Lenkungsausschuss das Konzept für die Phase III ab und beauftragte die Implementierung der kooperativ erarbeiteten NSM Leitlinien und Koordinationsstrukturen in ganz OÖ. Andrea Tippe (OE263 Organisationsberatung) unterstützte das Projekt in der Phase III mit folgenden Aufgaben:

  • Konzeptionelle Mitarbeit in der Rolle des allparteilichen Außenstehenden
  • Moderation und Begleitung der Kooperationsarbeit

Der Roll-Out wurde in Form von Implementierungskonferenzen in den Versorgungsregionen gestartet. Darauf folgend wurden in den Bezirken und Statutarstädten so genannte Bezirkskoordinationsteams (BKT) implementiert. Diese Teams wurden durch ein eigens aufgebautes Moderatorenpool unterstützt. Ziel der BKTs ist unter anderem die Umsetzung der NSM Leitlinien voranzutreiben. Diese Leitlinien sind im Handbuch NSM enthalten.

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Phase IV: Stabilisierungsphase (2012)

Die Stabilisierungsphase des Projekts diente zur Überführung in den Regelbetrieb, mit dem Ziel die aufgebauten Koordinationsstrukturen und Kooperationsbeziehungen zu verfestigen. Dazu fanden die ersten Wissenskonferenzen in den Versorgungsregionen statt. Ziel dieser Veranstaltungen ist ein bezirksübergreifender Austausch der BKT-Mitglieder sowie die Diskussionsmöglichkeit mit Vertretungen aus dem Landeskoordinationsteam. Zur Unterstützung bei der Umsetzung der Leitlinien bzw. konkret zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades wurde unter anderem ein kurzer Imagefilm gedreht.

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Regelbetrieb 2013 und Evaluierungsphase (2013-2014)

Das erste Jahr im Regelbetrieb (2013) dient als Beobachtungszeitraum der nachfolgenden Evaluierung. 2014 stand ganz im Fokus der Evaluierungsarbeit. Die ersten Evaluierungsergebnisse wurden den Gremien auf Landesebene und im Rahmen von Wissenskonferenzen im Herbst 2014 den BKT-Mitgliedern präsentiert. Die Ergebnisse sind in einem kurzen Bericht „Evaluierung 2014 (268.3 KB)“ nachzulesen. Detailergebnisse sind in einem umfangreichen Foliensatz enthalten und Basis für die daraus abgeleiteten Verbesserungsmaßnahmen, die darauf folgend eingeleitet wurden oder werden.

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NSM OÖ Office Übernahme (2015)

Das NSM OÖ wird weiterhin in gemeinsamer Auftraggeberschaft (Land OÖ/OÖ Sozialversicherung) durch die OÖGKK geführt. Das Programmmanagement wurde von Dr. Robert Schütz an Mag. Wilfried Giegler übergeben.